Starke Geschichte, große Ideen
Sachsen-Anhalt ist ein echtes Überraschungspaket. Kulturell reich, vielseitig und manchmal ein bisschen ungewöhnlich. Hier bei uns treffen große Geschichte, starke Ideen und kleine Kuriositäten aufeinander. Unser Land steckt voller Orte, Menschen und Geschichten, die man nicht unbedingt erwartet – aber genau deshalb entdecken sollte. Perfekt für Neugierige, für Entdeckerinnen und Entdecker und für alle, die gern genauer hinschauen. Blättern Sie durch diese Fun Facts, lassen Sie sich überraschen – und machen Sie sich selbst auf Spurensuche.
Herzlich willkommen hier bei uns in Sachsen-Anhalt.
Schön, dass Sie da sind.
Ihr Sven Schulze
Ministerpräsident Sachsen-Anhalt
Broschüre zum Download
Alle Fun Facts im Überblick
Sachsen-Anhalt ist filmreif – und Hollywood weiß das längst! Ob Märchenschloss, Romanik-Kulisse oder Natur pur: Die Region ist immer wieder Schauplatz großer Produktionen. Oscar-Preisträgerin Helen Mirren sprach während der Dreharbeiten zu „The Last Station“ in der Nähe der Lutherstadt Wittenberg liebevoll von „Sexy-Anhalt“: „Die Landschaft dort ist absolut wunderbar – und die Menschen und das Essen. Ich hoffe, dass ich noch einmal dorthin zurückkehren kann.“ George Clooney pries am Rande seines Films „Monuments Men“ im Harz die Vorzüge des Drehortes in Sachsen-Anhalt ganz männertypisch etwas kürzer: „It´s perfect!“ Hollywood-Kameras liefen auch bei Landsberg: Heimlich wurde dort für das Action-Remake „Drei Engel für Charlie“ gefilmt. Beeindruckte Stars und jede Menge Gänsehaut-Momente. Kamera läuft – in Sachsen-Anhalt.
Kinoleinwände und Fotos wurden bunt – dank kluger Köpfe aus dem heutigen Sachsen-Anhalt. In der Agfa-Filmfabrik in Wolfen entwickelten 1936 drei Chemiker den ersten praxis- und markttauglichen Mehrschichtfarbfilm der Welt: Agfacolor. Alle Farbschichten auf einem Streifen, technisch brillant. Die Erfindung setzte weltweit Maßstäbe, wurde kopiert und veränderte die Filmwelt. Direkt aus Wolfen auf die große Leinwand – erst in Deutschland, dann rund um den Globus.
Das längste Musikstück der Welt spielt in Halberstadt. Seit dem Jahr 2001 läuft hier das Musikstück „As Slow As Possible“ (So langsam wie möglich) des Komponisten John Cage. Das Stück dauert unfassbare 639 Jahre. Genauso viele Jahre lagen zwischen dem Bau der ersten Orgel mit 12-Ton-Tastatur im Halberstädter Dom (1361) und dem Projektstart des Musikstücks im Jahr 2.000. Statt schneller Beats erklingt in Halberstadt alle paar Jahre ein neuer Orgelton. Jeder neue Ton wird zu einem Ereignis. Das Musikstück ist ein klingendes Denkmal und würdigt die Bedeutung Halberstadts als Wiege der modernen Musik. Denn die Halberstädter Orgel war weltweit die erste mit allen Halbtönen. Sie hatte erstmals eine Tastatur, wie sie noch heute auf allen Tasteninstrumenten verwendet wird.
Im Garten des Winckelmann-Museums in Stendal steht das weltgrößte Trojanische Pferd – 15,60 Meter hoch. Bis zu 30 Besucher passen hinein, ähnlich wie bei Odysseus’ Trick in der griechischen Sage. Doch hier steckt keine Kriegslist, sondern Kultur dahinter. Denn das Museum steht an der Stelle des Geburtshauses von Johann Joachim Winckelmann – dem Begründer der klassischen Archäologie und modernen Kunstwissenschaft. Das hölzerne Pferd wiegt rund 45 Tonnen und misst 13 Meter in der Länge. Das Trojanische Pferd ist begehbar und Teil eines Erlebnispfads für Familien. Im Inneren gibts Antike zum Anfassen – ein Entdeckung mit Wow-Effekt!
Der aus Köthen stammende Tüftler Paul Schmidt erfand 1896 die Trockenbatterie – und 1906 die erste batteriebetriebene Taschenlampe. 1937 ließ er ein besonders handliches Modell unter dem Namen „Daimon-Handy“ schützen: Es war sozusagen das erste „Handy“ Deutschlands. Sein Unternehmen exportierte Lampen und Batterien in mehr als 50 Länder. Mit rund 50 Patenten war Schmidt ein echtes Tüftler-Genie. Sein „Handy“ war zwar kein Telefon für die Hosentasche, aber ein leuchtendes Beispiel für Erfindergeist aus Köthen!
1779 nahm in der Braunkohlengrube Altenweddingen bei Schönebeck die erste Dampfmaschine Preußens den Betrieb auf – ein Import aus England. 1785 folgte ein echter Meilenstein: Die erste deutsche Dampfmaschine nach dem Vorbild von James Watt wurde im heutigen Sachsen-Anhalt gebaut und im Mansfelder Bergbaurevier für den Kupferschieferabbau eingesetzt. Der preußische Ingenieur Carl Friedrich Bückling hatte dafür auf Reisen nach England Baupläne erstellt – eine frühe Form von Industriespionage im Auftrag von König Friedrich II. Die Maschine markierte den Beginn der industriellen Entwicklung im deutschen Raum. Heute ist ihr Nachbau im Mansfeld-Museum zu sehen – ein Stück Technikgeschichte.
Mit 1.141 Metern ist der Brocken der höchste Berg Norddeutschlands – ein sagenumwobener Ort voller Geschichte. Der Brocken, auch als Blocksberg bekannt, inspirierte Goethe zur Walpurgisnacht-Szene in seinem „Faust“ und wurde von Heinrich Heine in der „Harzreise“ verewigt. In der DDR war er Sperrgebiet, heute ist er ein Wanderparadies im Nationalpark Harz. Von Wernigerode aus schnauft auch die Brockenbahn mit Dampf und Nostalgie bis ganz nach oben. Ein magischer Ort, an dem Natur, Kultur und Legende aufeinandertreffen.
Hoch über dem Bodetal bei Thale liegt einer der sagenumwobensten Orte des Harzes: der Hexentanzplatz. Der Legende nach treffen sich hier in der Walpurgisnacht, die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, Hexen, um auf ihren Besen zum Brocken zu fliegen und mit dem Teufel zu tanzen. Inzwischen steht auf dem Hexentanzplatz ein Hexendorf mit windschiefen Häuschen und bunten Fassaden. Hingucker: das verdrehte Hexenhaus der Watelinde! In der Walpurgishalle gibt’s düstere Bilder aus Goethes „Faust“. Magie, Mythen und Spaß – der Hexentanzplatz ist ein Hexenhit für die ganze Familie!
Mitten in Magdeburg leuchtet die „Grüne Zitadelle“ – eines der letzten großen Bauprojekte des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Vergiss rechte Winkel: Hier tanzt jede Linie aus der Reihe. 2005 eröffnet, ist das verspielte Gebäude ein Farbenrausch mit Türmchen, goldenen Kugeln, unregelmäßigen Fenstern – und echten Bäumen, die aus den Fassaden wachsen! Davon gibt es rund 170 – von Mietern liebevoll gepflegt. Hundertwasser wollte ein Gegengewicht zur „kalten Kiste“ schaffen: eine Oase für Mensch und Natur. Heute beherbergt das Gebäude Wohnungen, ein Hotel, Läden, ein Theater und sogar eine Kita.
Im Bauhaus Dessau kann man heute noch übernachten wie die Bauhäusler der 1920er – reduziert, funktional, stilvoll! Das sogenannte Prellerhaus – benannt nach einem Kunstmäzen – war das erste Studentenwohnheim Deutschlands, das direkt in eine Hochschule integriert war. Hier tobte das Leben der Bauhaus-Studenten, wie historische Aufnahmen zeigen. Entworfen hat es Bauhaus-Gründer Walter Gropius, ein Star der modernen Architektur. Jedes Zimmer hatte schon damals Einbaumöbel, Waschbecken und Schreibtisch – revolutionär für die Zeit. 2006 wurde das Haus denkmalgerecht saniert. Wer hier übernachtet, spürt den Geist der Bauhaus-Moderne.
Am 25. Juni 1919 hob in Dessau ein Meilenstein der Luftfahrt ab: die Junkers F 13 – das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt. Konstruiert von Hugo Junkers, setzte sie neue Maßstäbe in der Technik. Am 13. September 1919 stellte die Maschine mit markanter Wellblech-Hülle einen Höhenweltrekord auf: 6.750 Meter mit acht Personen an Bord. Auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts wurde damit Luftfahrtgeschichte geschrieben – Dessau wurde zum Ausgangspunkt einer neuen Ära der zivilen Luftfahrt. 1926 wurde die Junkers Luftverkehr AG mit der Deutschen Aero Lloyd zur Deutschen Luft Hansa fusioniert.
In Sachsen-Anhalt nahm mit Hugo Junkers der zivile Flugverkehr Fahrt auf – heute entsteht hier die nächste Generation des Fliegens. In Cochstedt betreibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein „Nationales Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme“. Drohnen werden hier nicht nur getestet, sondern technologisch weiterentwickelt. Das Ziel: sichere, effiziente und klimafreundliche Fluggeräte für die Welt von morgen.
Seit 1807 wird in der altmärkischen Stadt Salzwedel Baumkuchen gebacken. 1841 kostete ihn König Friedrich Wilhelm IV. bei seiner Huldigungsreise durch die Altmark – und war so begeistert, dass er den Rest in seine Kutsche packen ließ! 1865 wurde eine Salzwedeler Baumkuchen- Bäckerei sogar zum kaiserlich-königlichen Hoflieferanten ernannt – einmalig für einen Baumkuchen-Bäcker. Das Rezept? Geheime Familiensache. Bis heute wächst der Baumkuchen Schicht für Schicht über offenem Feuer. Seit 2010 ist er mit einem EU-Gütesiegel geschützt. Ein echtes Unikat – gebacken im Bundesland Sachsen-Anhalt!
In Halberstadt geht es seit Ende des 19. Jahrhundert auch um die Wurst. 1883 gründete Friedrich Heine die Halberstädter Würstchenfabrik. 1896 kamen in Halberstadt erstmals Brühwürste in Konservendosen auf den Markt. Eine kleine Revolution, denn dadurch blieben Würste länger haltbar und waren perfekt für unterwegs. Der weltweite Erfolg von Wurst aus der Dose nahm seinen Lauf. 1913 wurde die Fabrik zur größten Fleischwarenfabrik Europas – mit eigenem Bahnanschluss. Bis heute stehen Halberstädter Würstchen für Qualität und Tradition.
Die besten Ackerflächen in Deutschland liegen in … genau, Sachsen-Anhalt! 1934 trat das Bodenschätzungsgesetz in Kraft. Es ordnet landwirtschaftliche Böden nach ihrer Qualität – je höher die Punktzahl, desto ertragreicher der Boden. Die Skala reicht bis 100 und diesen Topwert erreicht der Boden des Hofs Haberhauffe in Eickendorf bei Schönebeck – mitten in der Magdeburger Börde. Die fruchtbare Löß-Schwarzerde dort ist das Maß aller Äcker! Mit einem Klimazuschlag kam man sogar auf eine Punktzahl von 104 – deutscher Rekord. Heute informiert ein Museum im Ort über diese Supererde.
Kichererbsen liegen voll im Trend – als pflanzlicher Proteinlieferant und als Grundlage für Aufstriche wie Hummus. Sachsen-Anhalt ist Vorreiter beim heimischen Anbau. Bio Landwirt Jonas Schulze Niehoff aus Schleibnitz in der Magdeburger Börde war der Erste, der Kichererbsen auf einem Acker in Deutschland kultivierte. Die Idee entstand am Küchentisch – beim Kochen veganer Gerichte. Mit Unterstützung der Uni Halle und Ernährungsexperten entwickelte er Anbaumethoden für die ursprünglich subtropische Hülsenfrucht. 2018 startete er auf einem Hektar, heute gedeihen Kichererbsen auf rund 50 Hektar. Und so wächst in Sachsen-Anhalt, was sonst von weit her kommt – knackig, regional und richtig clever.
Wellness gibts heute fast überall, doch ein Ursprung des Trends liegt in Sachsen-Anhalt. Bad Salzelmen, ein Stadtteil von Schönebeck, ist das älteste Soleheilbad Deutschlands. Bereits 1802 entdeckte der Arzt Dr. Johann Wilhelm Tolberg die Heilkraft der salzigen Quelle und eröffnete hier das erste Soleheilbad. Ein echter Hingucker ist das mächtige Gradierwerk. Ab 1756 errichtet und später auf 1.837 Meter verlängert, wurde es ursprünglich genutzt, um den Salzgehalt der Sole zu erhöhen und Salz zu gewinnen. Später erkannte man auch seine therapeutische Wirkung für die Gesundheit. Heute können Besucherinnen und Besucher im Solepark die salzhaltige Luft genießen, die beeindruckende Holzkonstruktion bewundern und dabei Geschichte hautnah erleben.
Mehr als drei Milliarden Aspirin-Tabletten verlassen jedes Jahr das Bayer-Werk in Bitterfeld-Wolfen – für Europa, Nordafrika und Lateinamerika. Seit 1995 läuft die Produktion hier nahezu vollautomatisch: 90 Prozent der Abläufe sind digital gesteuert. Mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen. Heute zählt der Standort zu den modernsten in Europa – und Bitterfeld-Wolfen ist ein Schlüsselort für die weltweite Versorgung mit dem bekannten Schmerzmittel.
Dorothea Christiane Erxleben aus Quedlinburg war 1754 die erste Frau in Deutschland mit einem Doktortitel in Medizin – ein echter Paukenschlag im 18. Jahrhundert! Möglich machte das kein Geringerer als Friedrich der Große. Der König höchstpersönlich wies die Universität Halle an, die kluge Frau zur Promotion zuzulassen. Schon als Teenager behandelte sie Kranke, weil ihr Vater, selbst Arzt, sie ausbildete. Ihre Doktorarbeit zu zeitgenössischen Heilmethoden wird im Klopstockhaus in Quedlinburg verwahrt und ist im Museum digital Sachsen-Anhalt gelistet. Auch nach ihrer Promotion blieb die Mutter von vier Kindern mit Leib und Seele Ärztin.
Jawed Karim, geboren 1979 in Merseburg, gehört zu den drei Gründern von YouTube! Am 23. April 2005 lud er das erste YouTube-Video hoch – 19 Sekunden im Zoo von San Diego, Titel: „Me at the zoo“. Heute hat der Clip über 360 Millionen Aufrufe. Jawed war zuvor bei PayPal aktiv, wo er Chad Hurley und Steve Chen traf – das Trio startete 2005 mit YouTube durch. Nur ein Jahr später kaufte Google die Plattform. Heute investiert Jawed Karim in Tech-Start-ups wie Airbnb und fördert junge IT-Talente. Die Familie Karim zog 1982 von Merseburg (damals DDR) in die Bundesrepublik und wanderte 1992 in die USA aus. Seine Mutter stammt aus Wernigerode, der Vater aus Bangladesch.
Wenn es in Deutschland um wissenschaftlichen Rat geht, ist Halle (Saale) eine der ersten Adresse. Dort hat die Leopoldina ihren Sitz – die älteste dauerhaft bestehende Wissenschaftsakademie der Welt, gegründet im Jahr 1652. Seit 1878 ist sie an der Saale zu Hause und fungiert heute als Nationale Akademie der Wissenschaften. Sie berät Politik und Gesellschaft bei grundlegenden Fragen – von Gesundheit über Klimaschutz bis zur Zukunftstechnologie. Die Leopoldina hat heute rund 1.500 Mitglieder. In ihrer Geschichte wurden mehr als 7.000 Persönlichkeiten in die Akademie aufgenommen, insgesamt 178 von ihnen wurden mit einem Nobelpreis ausgezeichnet. Aktuell sind mehr als 30 Mitglieder der Leopoldina Nobelpreisträger. Auch Johann Wolfgang von Goethe, Alexander von Humboldt und Marie Curie zählten zu den Mitgliedern.
Der Sachsenspiegel ist die älteste überlieferte Sammlung deutscher Rechtsgewohnheiten – ein echtes Schwergewicht der Rechtsgeschichte! Verfasst hat ihn um 1220 Eike von Repgow aus Reppichau (heute Landkreis Anhalt-Bitterfeld), vermutlich auf der Burg Falkenstein. Und was drinsteht, hatte es in sich: Landrecht und Lehnrecht, wie sie im alten Sachsenland galten – aufgezeichnet in einer Zeit des Umbruchs. Geschrieben in mittelniederdeutscher Sprache gilt der Sachsenspiegel als erstes Prosawerk in deutscher Sprache und als Meilenstein auf dem Weg zur deutschen Schriftsprache. Seine Wirkung war weitreichend – über Regionen und Jahrhunderte hinweg. Ein Stück Rechts- und Sprachkultur mit Wurzeln im heutigen Sachsen-Anhalt.
Vor über 300 Jahren gründete August Hermann Francke in Halle (Saale) eine Waisen- und Armenschule und baute daraus eine christlich inspirierte Bildungsstadt, die europaweit Schule machte. Was klein begann, wuchs zu einem Ort mit Bibliothek, Druckerei, Apotheke und verschiedenen Handwerksbetrieben. Bis zu 2.500 Menschen lebten und lernten hier – vereint in Franckes Vision: Bildung für alle, ganz ohne Standesdünkel! Die Stiftungen boten umfassende Schul- und Berufsausbildung für benachteiligte Kinder und Jugendliche und wurden zu einem Vorbild für soziale Reformen und Bildungsinitiativen in Europa.
Es war Hans-Dietrich Genscher, der Kammersängerin Prof. Edda Moser 2006 den entscheidenden Tipp gab: Das Festspiel der deutschen Sprache gehört nach Bad Lauchstädt – ins historische Goethe-Theater. Seit 2007 wird dort jährlich im Herbst gezeigt, wie lebendig, präzise und schön unsere Sprache sein kann. Das Festspiel südwestlich von Halle (Saale) ist einzigartig: Ein kraftvolles Plädoyer namhafter Schauspielerinnen und Schauspieler für die deutsche Sprache, vorgetragen auf einer Bühne, wie sie kein zweites Mal existiert. Die originale Bühnenmaschinerie stammt aus dem Jahr 1802 – entworfen unter Leitung von Johann Wolfgang von Goethe persönlich.
In Ströbeck bei Halberstadt dreht sich seit über 1000 Jahren alles um Schach. Der Legende nach lehrte 1011 ein adliger Gefangener seinen Bewachern das königliche Spiel – und legte damit den Grundstein für eine einzigartige Tradition. Seit 1823 ist Schach Pflichtfach an der Grundschule mit Noten und Turnieren. Der Dorfplatz ist ein riesiges Schachbrett, der Schachturm erinnert an die Ursprünge, und das Schachmuseum (nach Brand Wiederaufbau) bewahrt die Geschichte. Höhepunkt ist das Lebendschach, bei dem die Schachfiguren von verkleidete Dorfbewohnern dargestellt werden. 2016 wurde Ströbeck von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Samswegen bei Magdeburg ist ein echter Muskel-Ort! 1996 erhielt die Gemeinde vom Gewichtheber-Weltverband IWF ganz offiziell den Titel „Stärkstes Dorf der Welt“. Laut IWF kann kein anderer Ort die stolze Bilanz von 34 Medaillen bei internationalen Wettbewerben und Weltmeisterschaften vorweisen. Dazu kommen 580 Medaillen aus DDR-Zeiten – eine Bilanz, die weltweit ihresgleichen sucht. In Samswegen dreht sich alles um das Gewichtheben. Dem kann sich kaum jemand entziehen. Bei großen Wettkämpfen ist die 450 Zuschauer fassende Halle ausverkauft, und es wird zusätzlich im Ort ein Public Viewing angeboten. Zuletzt holte der SSV Samswegen 2019 den Deutschen Meistertitel.
Bei Hohenwarthe nahe Magdeburg schwebt der Mittellandkanal spektakulär über der Elbe – dank der Trogbrücke, der längsten Kanalbrücke Europas! Mit 918 Metern Länge verbindet sie seit 2003 den Mittellandkanal mit dem Elbe- Havel-Kanal und erspart der Binnenschifffahrt einen zwölf Kilometer langen Umweg. Das Bauwerk ist ein Meisterstück deutscher Ingenieurskunst: 34 Meter breit, 4,25 Meter tief und mit einer speziellen Luftsprudelanlage ausgestattet, die das Wasser in Bewegung hält und so Eisbildung verhindert – für einen ganzjährigen Betrieb. Ein echtes Jahrhundertbauwerk und ein Highlight für Technikfans. Das Verkehrsprojekt der Deutschen Einheit wurde 2003 fertiggestellt.
Am 12. Mai 1856 wurde im Kurhaus des idyllischen Harzortes Alexisbad der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) gegründet – auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts! Heute zählt der VDI rund 130.000 Mitglieder und ist das Sprachrohr der Techniknation Deutschland. Seine Mission: Förderung der technischen Wissenschaft und Forschung sowie der Förderung des Nachwuchses. Der Verein mit heutigem Sitz in Düsseldorf veröffentlicht technische Regelwerke, vergibt Prüfzeichen und gibt klugen Köpfen eine Bühne. Ein Stück Ingenieursgeschichte mit Wurzeln in Alexisbad.
Einer der Väter des Automobils in Deutschland ist Friedrich Lutzmann aus Nienburg (Saale). Er war neben Carl Benz und Gottlieb Daimler einer von vier Ausstellern auf der ersten Internationalen Automobil-Ausstellung in Berlin (1897). Schon 1894 baute er seinen ersten benzinbetriebenen Motorwagen. Lutzmann fuhr ihn selbst durch Dessau und sorgte für Aufsehen – als einer der frühesten „Autofahrer“ in Deutschland. Die Gebrüder Opel kauften 1899 seine Dessauer Motorwagenfabrik und machten ihn zum Direktor der Opel-Fahrzeugwerke. Lutzmann gehört zu den Gründungsmitgliedern des ersten Automobilclubs Deutschlands. Der Erfinder, Konstrukteur und Tüftler gründete zudem vor über 130 Jahren das erste Taxiunternehmen Deutschlands.
1810 erwarb der Magdeburger Unternehmer Johann Gottlob Nathusius das Gut Althaldensleben vor den Toren der Stadt. Dort baute er nach und nach mehr als 30 Gewerbebetriebe auf – darunter eine Tabakfabrik, eine Zuckerraffinerie, ein Braunkohlenbergwerk, eine Tuch- und Maschinenfabrik sowie Landwirtschaftsbetriebe. Durch die zentrale Verwaltung all dieser Betriebe schuf er Synergien, senkte Kosten und steigerte die Effizienz – das Ergebnis: der erste Industriekonzern Deutschlands. Ein Vorbild für moderne Holdingstrukturen.
1933 hob bei Magdeburg eine der ersten Flüssigkeitsraketen ab – ein Pionierflug der Raumfahrt. Entwickelt vom Verein für Raumschifffahrt mit Hermann Oberth, Rudolf Nebel und dem jungen Wernher von Braun. Zum Einsatz kam ein Flüssigkeitsraketenmotor von Walter Riedel – Vorläufer der späteren V2-Technologie. Die Rakete war ursprünglich bemannt geplant, startete unbemannt und stürzte ab. Kurz darauf zentralisierten die Nazis die Raketenforschung unter der Kontrolle der Wehrmacht.
Sie gilt als „schönste Frau des Mittelalters“: die Uta-Figur im Naumburger Dom, geschaffen um 1250 – ein Meisterwerk gotischer Bildhauerei und Wahrzeichen der Stadt Naumburg. Der stolze Blick, der hochgeschlagene Mantelkragen, die noble Zurückhaltung – all das faszinierte Umberto Eco, den weltberühmten Autor („Der Name der Rose“): „Wenn Sie mich fragen, mit welcher Frau in der Geschichte der Kunst ich essen gehen und einen Abend verbringen würde, wäre da zuerst Uta von Naumburg.“ Die Disney-Zeichner nahmen die Naumburger Uta-Figur sogar als Vorbild für Schneewittchens böse Königin. Uta ist Kult – und Botschafterin europäischer Kunstgeschichte aus Sachsen-Anhalt.
Nicht nur Protestanten blicken auf das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts – auch Katholiken! Denn hier liegt nicht nur der Ursprung der Reformation, sondern auch eine bedeutende Station im Leben von Clemens II. Der Papst, mit weltlichem Namen Suidger, Graf von Morsleben und Hornburg, wurde an der Domschule in Halberstadt ausgebildet und war ab 1032 Domkanoniker in Halberstadt. Später Bischof von Bamberg, wurde er 1046 zum Papst gewählt – und machte mit Kirchenreformen wie der Abschaffung des Ämterkaufs Geschichte.
Das berühmte Berliner Wappentier, der Bär, hat Vermutungen zufolge seine Wurzeln in Sachsen-Anhalt. Genauer gesagt: in Ballenstedt im Harz. Von dort stammt Albrecht der Bär, der im 12. Jahrhundert slawische Gebiete östlich der Elbe unter seine Herrschaft brachte, christianisierte und sumpfige und unfruchtbare Gebiete urbar machte. Er gilt als Stammvater der Askanier und Gründer der Mark Brandenburg. Er war erster Markgraf von Brandenburg. Die Altmark war das westelbische Sprungbrett für die Gründung der Mark Brandenburg – sie gilt heute als deren „Wiege“. Der Bär, Symbol der Askanier und anhaltisches Wappentier, ziert nicht ohne Grund gleich zwei Landeswappen: Berlin und Sachsen-Anhalt. Eine tierische Spur, die eine Verbundenheit der Regionen aufzeigt.
Der Weihnachtsbaum – eine Tradition mit Wurzeln auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts! In Wittenberg entstand 1509 die erste bekannte Abbildung eines geschmückten Tannenbaums – in der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren, dem engen Mitstreiter Martin Luthers. Der Reformator selbst mochte den Lichterbaum und half, den Brauch im protestantischen Raum zu verbreiten. Was einst als heidnisch galt und von der Kirche abgelehnt wurde, entwickelte sich so zum festlichen Symbol. Mit der Verbreitung der lutherischen Lehre wurde der Weihnachtsbaumbrauch in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt.
Willkommen in der kleinsten Hansestadt der Welt – Werben an der Elbe! Rund 750 Seelen leben in diesem Bilderbuch- Städtchen. Schon 1358 trat Werben als wichtiger Elbhafen mit besten Verbindungen bis nach Lübeck der Hanse bei. Der Titel „Hansestadt“ ist also historisch und absolut verdient! Heute bezaubert Werben mit Fachwerk, Stadttor, Kopfsteinpflaster und fast 30 Störchen, die jedes Jahr zurückkehren. Beim legendären Biedermeiermarkt erwacht das 19. Jahrhundert zum Leben – mit Zylinder, Petticoat und Zuckertüten. Ein Ort wie aus einem Märchen.
Im Halberstädter Dom ist der größte vollständig erhaltene mittelalterliche Kirchenschatz außerhalb des Vatikans zu bestaunen. Seit mehr als 800 Jahren ist dieser weltweit einzigartige Schatz nahezu unversehrt erhalten. Die Sammlung umfasst rund 1.250 Einzelstücke: liturgische Gewänder, filigrane Goldschmiedekunst, Skulpturen und Altargerät. Berühmt sind die romanischen Bildteppiche aus dem 12. Jahrhundert. Besonders spektakulär: byzantinische Reliquien, die Bischof Konrad von Krosigk 1205 vom Vierten Kreuzzug aus Konstantinopel mitbrachte. Ein Fenster in die Glaubenswelt des Mittelalters – und ein Glanzlicht europäischer Kulturgeschichte.
In Schwaneberg in der Börde liegt eines der prächtigsten Tulpenfelder Deutschlands. Der Familienbetrieb Degenhardt-Sellmann wurde 1906 gegründet und bewirtschaftet heute rund 350 Hektar Land. Davon sind 40 Hektar mit Tulpen bepflanzt, 10 Hektar mit Krokussen und 20 Hektar mit Gladiolen. Acht bis zehn Tulpensorten bringen jedes Frühjahr ein leuchtendes Farbenband in die Landschaft. Doch die Blüten sind nur fürs Auge – geerntet wird unter der Erde: die Zwiebel zählt! Tröpfchenbewässerung und viel Pflege sichern die Qualität. Die kräftigen Zwiebeln gehen europaweit auf Reisen – sogar in die Niederlande.
Rosenkavaliere und Blumenfreunde aufgepasst. Im Europa-Rosarium Sangerhausen blüht ein Weltrekord: Mehr als 8.600 Rosenarten und -sorten gedeihen hier auf 13 Hektar – einzigartig auf dem Globus. Rund 80.000 Rosenstöcke verströmen von Juni bis in den Spätherbst ihren Duft. Gegründet wurde das Rosarium 1903 von passionierten Rosenzüchtern – heute ist es ein lebendiges Museum der Blütenpracht. Zu sehen gibt’s unter anderem die größte Wildrosensammlung der Welt mit etwa 500 Arten, eine beeindruckende Kletterrosensammlung mit rund 850 Sorten sowie Raritäten wie die „Grüne Rose“ und die echte Ölrose.
Europas größtes zusammenhängendes Anbaugebiet für Majoran liegt rund um Aschersleben – und das seit über 135 Jahren! Hier wächst das aromatische Kraut, das ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum und Nordafrika stammt und vielen Wurstsorten einen charakteristischen Geschmack verleiht. Möglich machen das die fruchtbaren Böden nahe der Magdeburger Börde und das ideale Klima im Regenschatten des Harzes. Der Anbau begann 1890 – heute liegt alles in einer Hand: vom Feld bis zur fertigen Würze. Im Majoranwerk Aschersleben werden pro Jahr mehr als 150 Tonnen Majoran produziert. Kräutergold aus Sachsen-Anhalt.
In Sachsen-Anhalt wird ganz unterschiedlich „gekwackelt“ (Anhaltisch für „erzählt“). Es gibt zahlreiche Dialekte – von Platt (niederdeutsch) in der Altmark bis zu verschiedenen mitteldeutschen Dialekten. Im Mansfeldischen wird’s ruppig und direkt, in Halle sagt man „Fleeschkiste“ (Hallisch für „Sarg“). Und jeder Magdeburger hält sich die Ohren zu, wenn jemand „Maaagdeburg“ sagt – der Einheimische erkennt sofort: ein Zugereister! Er selbst spricht „Machdeburch“ – mit kurzem a. Ein echter Magdeburger kennt übrigens fünf verschiedene Möglichkeiten den Buchstaben „g“ auszusprechen. Alle fünf Aussprachen kommen in „Voreljesank in Machdeburch“ vor. Oft wird das „g“ zum „j“. Daher der Spruch: „In Jommern jibts jrüne Jorken“ (In Gommern gibt’s grüne Gurken).
Vor 125.000 Jahren war das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts ein Land der tierischen Riesen: Gewaltige Waldelefanten stapften durch Wälder und Flusslandschaften. Der spektakulärste Fund stammt aus Neumark-Nord (Saalekreis): das fast vollständige Skelett eines Europäischen Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus) – fünf Meter hoch, über fünf Tonnen schwer! Neandertaler haben sich wohl am Kadaver bedient – das zeigen Schnittspuren und Feuersteine. Und die Waldelefanten waren nicht allein: Im Geiseltal bei Merseburg fanden Forscher Überreste von Wald- und Steppennashörnern, Auerochsen und Wildpferden. Ein echtes Tier-Paradies der Urzeit! Eine Rekonstruktion des riesigen Waldelefanten kann im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) bestaunt werden. Ein Elefantenmodell existiert zudem in der Zentralwerkstatt Pfännerhall in Braunsbedra.
Schon 1804 wurde sie gegründet – die Halloren Schokoladenfabrik in Halle (Saale). Damit ist sie die älteste bis heute produzierende Schokoladenfabrik Deutschlands. Berühmt für ihre Halloren-Kugeln, zaubert sie heute auch Designpralinen, Schokobecher und Trüffel. Ein süßer Blickfang: das Schokoladenmuseum mit gläsernem Schaugang. Übrigens: Der allererste Schokoladenautomat der Welt wurde 1888 in Wittenberg erfunden.
